Magenkrebs und Speiseröhrenkrebs

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Was ist Krebs?

Körperzellen wachsen, teilen sich und sterben. Der genetische Code im Zellkern trägt die Informationen darüber, wie die Zelle aussehen soll und was für Aufgaben sie übernimmt und übernehmen kann. Fehler, die während der Lebenszeit der Zelle in diesem Code entstehen (z.B. durch Mutagene) oder bei der Zellteilung falsch zusammengesetzt werden (Transscriptionsfehler) sind normal. Daher gibt es einen körpereigenen Kontrollmechanismus, durch Onkogene und Tumorsuppressorgene der die Zellteilung bis zur erfolgreichen Reparatur des Gencodes stoppt oder die Zelle absterben lässt. Hier kann ein genetischer Defekt vorliegen, doch wird heute der genetisch bedingte Einfluss auf die Krebsentstehung viel geringer eingeschätzt als vor Jahren.

Wenn dieser Mechanismus fehlerhaft ist, können entartete Zellen entstehen. Ihr Zellkern enthält dann Gene mit veränderter Chromosomenzahl (aneuploid). Diese entarteten Zellen haben in der Regel neue Eigenschaften und entziehen sich verstärkt diesem Kontrollmechanismus, wodurch sie explosionsartig heranwachsen und manchmal auch "unsterblich" (z.B. p53) sind.

Durch die Notwendigkeit einer regelmäßigen Zellteilung für die Entstehung von Krebszellen, sind besonders Organe betroffen, deren Zellen sich oft teilen. Dies sind Drüsengeweben (Magen, Brust, Hoden...) oder Zellen wie Haut und Speiseröhre (Epithelgewebe).

Lebensbedrohlich und tödlich wird es, wenn die Krebszellen das zur Funktion des Organs notwendige Gewebe größtenteils oder vollkommen verdrängen. Das Organ hört auf seine Funktion zu erledigen. Oder es sind Zellen entstanden, die in der Lage sind, ihren Ursprungszellverband zu verlassen und sich über die Blutbahn und die Lymphbahnen im Körper zu anderen Stellen zu bewegen (Metastatisierung).

Lange Zeit war die operative Entfernung des Tumors die einzige Therapie, die Heilung versprach. Solange sich keine Metastasen gebildet haben ist damit der gefährliche Krebstumor weg. Heutzutage besitzt die Strahlentherapie eine zunehmend große Bedeutung bei der Tumorbehandlung. Stereotaktisch und Afterloading sind Beispiele für neue und verträgliche Behandlungen. Der Krebs wird zielgenau getroffen und immer weniger gesundes Gewebe wird zerstört.

Das ungewollte Zerstören von gesundem Gewebe ist das Hauptproblem der Chemotherapie. Die Zytostatika werden so verabreicht, dass sie sich im gesamten Körper verbreiten. Lokale Anwendung ist nahezu unmöglich. Da die Krebszellen sich zwar zu andersartigen Zellen entwickelt haben, ihre äußeren Eigenschaften aber immer noch denen der gesunden Zellen ähnlich sind, ist eine gezielte Zerstörung schwer. Aber auch hier erreicht die Forschung Jahr für Jahr stetige Verbesserungen.

Die Erfolge die die Krebsforschung erzielt, nimmt dieser Krankheit zunehmend den lebensbedrohenden Schrecken, doch steigende Erkrankungszahlen, vor allem durch Umweltgifte und veränderte Lebensgewohnheiten, wirken diesen Erfolgen entgegen.

Magenkrebs

Die Zahl der Magenkrebserkrankungen ist in Deutschland in den letzten Jahren um etwa die Hälfte zurückgegangen. 2002 erkrankten 20.000 Menschen neu an Magenkrebs (Robert Koch Institut Berlin).

Die Aufgabe des Magens besteht darin, zugeführte Nahrung zwischen zu speichern, mit Magensäften zu vermischen und dann Portionsweise an den Darmtrakt weiter zu geben. Gegen die sauren Magensäfte schützt sich der Magen mit einer säureresistenten Schicht, der Magenschleimhaut. Ist diese nicht ausreichend, kommt es zu Magenschleimhautentzündungen oder gar Magengeschwüren. Dies für sich genommen können schon schwere Folgen für den Erkrankten bedeuten. Und dadurch kann die Entstehung von Krebs begünstigt werden. Durch verbesserte Ernährung ist die Zahl der Magenkarzinome (Karzinom = Krebs) deutlich zurückgegangen.

Neben allen anderen krebsbedingten Gefahren führt ein Magenkazinom fast immer zur Entfernung des gesamten Magens. Eine Teilentfernung würde nach heutigem Kenntnisstand dem Patienten sehr wenig Vorteile aber eine schlechtere Heilungschance bringen. Verschiedenste Operationstechniken resultieren in eine Art Ersatzmagen. Wird der Krebs in einem sehr frühen Stadium erkannt, kann das Tumorgewebe endoskopisch (durch den Mund) mit Hilfe einer Sonde, ähnlich der der Magenspiegelung entfernt werden. Dies ist in Europa wegen zu später Diagnose selten der Fall.

In jedem Fall muss der Patient mit deutlichen Änderungen seiner Ess- und Lebensgewohnheiten rechnen. Doch wie bei ähnlichen Krankheiten gewöhnt man sich daran und der Magen tut es mit zunehmender Dauer auch.

Eine besondere Art des Magenkrebses ist das Adenokarzinom (Barrett- Ösophagus), was sich aus dem Drüsengewebe des Magens entwickelt und quasi als Schutz unter anderem bei sehr häufigen Sodbrennen in die Speiseröhre hochwächst. Histologische Untersuchungen können diese Art sehr zuverlässig vom Speiseröhrenkrebs, der sich aus dem Epithelgewebe entwickelt, unterscheiden. Auch hier wird oft der gesamte Magen entfernt und nur ein geringer Teil der Speiseröhre.

Die Grenze zwischen zwei unterschiedlichen Gewebsarten bedeutet für den Krebs eine nur sehr schwer passierbare Barriere. Das heißt, ist er aus dem Magengewebe entstanden, kann er sich im Magen nahezu ungehindert ausbreiten, in der Speiseröhre hingegen nicht. Umgekehrt, ist er in der Speiseröhre entstanden, breitet er sich dort aus, im Magen erst sehr spät.

Speiseröhrenkrebs

Mit 4.700 neu Erkrankten pro Jahr ist Speiseröhrenkrebs eher selten. Die Gefahr besteht besonders darin, dass Symptome sich erst spät zeigen. Anhaltende Schluckbeschwerden sind ein deutliches Warnsignal. Es konnte ein Zusammenhang zwischen dieser Krebsart und dem Konsum von Alkohol und Nikotin nachgewiesen werden. Die Kombination von beidem erhöht das Risiko beträchtlich.

Die notwendige Operation gilt als körperlich sehr belastend, da sie über den Brustraum erfolgt, in dem der größte Teil der Speiseröhre liegt. Dabei wird ein Lungenflügel stillgelegt, er wird entlüftet und zusammengefaltet, damit der Operateur ausreichend Platz findet. Die Eröffnung des Brustraums erfolgt durch einen Schnitt unterhalb der, meist rechten, Achsel und durch die Rippen hindurch.
Daher ist ein allgemein guter Gesundheitszustand des Patienten für diesen Eingriff Notwendig. Nur selten kann auf die Eröffnung des Brustraums umgangen werden..

 

 

Quelle: Deutsche Krebshilfe 2006, weitere Quellen siehe Glossar.

 
 
 
Mein Krebs Frank Kolbe Berlin 2007