Diagnose Krebs

Auch heute noch verbreitet die Diagnose Krebs Angst und Schrecken. Einerseits sicher zu recht, denn Krebs ist lebensbedrohlich, andererseits ist Krebs heilbar. Immer mehr Erkrankte überstehen den Krebs und leben ein fast normales Leben weiter. Bei anderen, die als unheilbar gelten, ermöglicht die heutige Medizin eine hohe Lebensqualität in der letzten...

Wer sich mit der Krankheit Krebs näher auseinandersetzt, befasst sich unweigerlich mit dem Thema Tod. Ich möchte auf diesen Seiten darüber berichten wie mein Krankheitsverlauf ablief und wie meine Gedanken und Gefühle dabei waren.

Von einem bin ich überzeugt: Optimismus und sich gegen diese Krankheit wehren, bedeutet den wichtigsten Schritt in Richtung Gesundheit.

Statistik Krebs

Jedes Jahr erkranken 420.000 Menschen in Deutschland neu an Krebs (Quelle: Robert Koch-Institut, 2006). Diese Zahl wird in den kommenden Jahrzehnten stetig steigen, nicht zuletzt durch die immer höhere Lebenserwartung. Die häufigsten Arten sind beim Mann Prostatakrebs (48.650), Dickdarm und Mastdarm (35.600), Luftröhre, Bronchien und Lunge (32.550) und bei Frauen Brustkrebs (55.150), Dickdarm und Mastdarm (32.600) und Gebärmutterkrebs (17.850).

Weltweit erkrankten im Jahr 2000 10 Mio. Menschen, 6,2 Mio. starben und 22 Mio. Menschen lebten mit ihrer Krankheit. Häufigste Krebsart weltweit ist der Lungenkrebs.

Die Heilungschancen sind bei uns in Deutschland von Jahr zu Jahr steigend, abhängig von der Krebsart und dem Erkennungszeitpunkt. Zum Magenkrebs  und zum Speiseröhrenkrebs  habe ich eine Extraseite erstellt.

Wie "mein Krebs" begann

Zwischen Anfang Februar und Ende März 2007 verlor ich 15 Kilo Gewicht. Die ganze Zeit über und auch danach hatte ich keine besonderen Schmerzen. Ich konnte nicht ausreichend Nahrung zu mir nehmen. Schon nach wenigen Happen war es so, als würde mir das Essen buchstäblich im Halse stecken bleiben. Begleitet von Brechreiz und Unmengen von Schleim zwang ich mir erst feste und dann immer flüssiger werdende Nahrung hinein. Zu dieser Zeit begann ich mehr und mehr vom Essen zu träumen. Mein Tiefkühler, Kühlschrank und die Speisekammer wurden zusehends voller. Ich kaufte all die leckeren Sachen ein, die ich gern gegessen hätte. Tatsächlich ernährt hab ich mich von Milchgetränken, Jogurts und Griesbrei. Später bekam ich hochkalorische Getränke verschrieben, um den Gewichtsverlust aufzuhalten.

Nach erstem Arztbesuch und 4 Wochen!!! später Magenspiegelung die erste Diagnose:
  Ø Ultraschall des Magens ohne Befund
  Ø Magenspiegelung durch eine Stenose  nicht möglich.
Sofort am nächsten Tag ins Krankenhaus, persönlich die erste Wahl Rudolf Virchow Klink, was sich als sehr gute Wahl herausstellte.

Spätestens zu diesem Zeitpunkt konnte man mit dem schlimmsten Fall rechnen - Krebs!

Wie ich meine Krankheit erleb(t)e

Nachdem die Diagnose beendet war stand fest, ich habe Speiseröhrenkrebs. Medizinisch ausgedrückt, "gut differenziertes verruköses Plattenepithelkarzinom  38 cm ab Zahnreihe am gastroösophagealem Übergang ". Ein onkologischer Therapieplan war schnell aufgestellt, gilt heute als Standard. 3 Zyklen Chemotherapie inklusive Strahlenbehandlung, danach operatives entfernen des Tumors und abschließend drei weitere Zyklen Chemotherapie.

Mein Zimmergenosse während meines ersten Klinikaufenthaltes war schon beim 8 Chemo Zyklus angelangt, und das mit 23 Jahren. Also bewertete ich den Therapieplan als Richtlinie ohne Gewähr. Bis dahin hatte ich eigentlich wenig Zeit, mich tatsächlich mit der Bedeutung meiner Lage auseinander zu setzen. Zwischen hoffen und bangen blieb immer die Gewissheit, dass mit meinem Klinikaufenthalt beginnend alles erdenkbare gegen meine Krankheit und für mich getan wird.

Also am Tag 1 der Chemotherapie ging es los, dem Geschwür sollte der Gar ausgemacht werden. Das war für mich ein wichtiges und beruhigendes Gefühl. Und erste Erfolge waren schon nach drei Tagen zu verzeichnen. Ich konnte mittags rheinischen Sauerbraten mit Rotkohl und Kartoffelpüree essen - so schnell!? Mein Behandelnder Arzt hatte dies in 3 -4 Wochen in Aussicht gestellt.

Mein psychischer Zustand war während dieser Zeit stabil, was die meisten Menschen in meinem Umfeld verwunderte. Ich beschäftigte mich mit dem medizinischen Aspekt meiner Krankheit, informierte mich über jede der bei mir angewandten Diagnosetechnik, mit den Therapiemöglichkeiten und war insgesamt positiv gestimmt. Körperlich war ich vom Untergewicht abgesehen gesund, ein Vorteil, wenn man in relativ jungen Alter Krebs bekommt, worauf ich natürlich gern verzichtet hätte.

Zu meinem Seelenleben und der Psyche bei Krebs hier  mehr.

Der Therapieverlauf kurz gefasst

Die Chemotherapie wurde in hoher Dosis, mit sehr wirksamen Zytostatika   (Cisplatin und 5-Fluoro-Uracil) durchgeführt. Ich habe diese gut vertragen und konnte innerhalb weniger Wochen 10 Kilo an Gewicht zulegen. Damit war ich fast wieder bei meinem Normalgewicht. Endlich konnte ich wieder richtig essen, was meinen Gemütszustand verbesserte. Meine Blutwerte verschlechterten sich nicht bedenklich und ich fühlte mich relativ wohl.

Ab dem 19.Juni wurde zusätzlich die Strahlentherapie   eingeleitet. Tage zuvor musste eine Planungs- CT durchgeführt werden und anschließend eine Lokalisation. Dies sind Vorbereitungen zur Strahlenbehandlung, mit dem Ziel, den Tumorherd zu zerstören. Insgesamt erhielt ich 25 Bestrahlungen. Erst in der letzten Woche stellten sich einige Beschwerden ein, essen und schlucken funktionierte, nur nachts bekam ich einige Male leichte Magenkrämpfe.

Nach Beendigung dieser neoadjuvanten Therapie   bekam ich 5 Wochen Pause bis zur Operation. Das durch die Radiochemotherapie geschädigte Gewebe und mein Blutbild sollte sich erholen. Zu stark zerstörtes Gewebe führt bei der Operation zu Problemen, besonders an den zu vernähenden Stellen. Am 27.August war es dann soweit, der Augenblick, vor dem ich am meisten Angst hatte, die Operation. Fünf Stunden sollte sie Dauern, obwohl insgesamt nur wenig entfernt wurde. Mein Magen blieb nahezu vollständig erhalten. Von der Speiseröhre wurden 9,5 cm vor dem Mageneingang entfernt. Um die Kontinuität zu erhalten, Magen mit Speiseröhre wieder zu verbinden, musste der Magen "hochgezogen" werden.

Knapp eine Stunde nach der OP wurde ich langsam wach. Für drei Tage lag ich in der Intensivüberwachung, obwohl ich schon am ersten Tag aufstehen konnte und einige Schritte lief. Tag für Tag wurden mehr Schläuche und Zugänge aus und von mir entfernt. Am vierten Tag kam ich auf die "normale" Station und durfte am achten Tag wieder essen. Einiges verlangsamte sich in diesen Tagen, weil einerseits ein Bett in der Intensivüberwachung "frei" war, das ich nutzen durfte und andererseits zu meinem Leidwesen ein Wochenende mir die schnellste Möglichkeit wieder essen zu dürfen raubte. Kurz gesagt, Operation gut überstanden, doch viel mehr Probleme als ich gewollt hatte.

Die am entfernten Gewebe durchgeführte Untersuchung ergab, dass keine Krebszelle nach der Radiochemotherapie überlebt hat. Dies ist äußerst selten. Somit benötigte ich im Anschluss an die Operation keine weitere Chemotherapie. Ich konnte mich umgehend zu einer Anschlussheilbehandlung (AHB) im Reha Zentrum Lübben anmelden.

Die Auswirkungen der Operation sind größer als von mir erwartet. Wenn ich zuviel gegessen habe, stellen sich Minuten danach Magen- und Kreislaufbeschwerden ein. Nur langsam normalisiert sich dieser Zustand und ich habe zurzeit wieder 10 Kilo Untergewicht. Am 03.Dezember beginne ich nach dem Hamburger Modell wieder zu arbeiten. Erst vier Arbeitsstunden täglich (Dezember), dann sechs (Januar) und ab Februar wieder regulär. In 2 Wochen habe ich die erste Nachuntersuchung. Hoffentlich heißt es dann:
- keine Krebszellen zu finden -

Einen chronologischen Verlauf meiner Krankheit findet ihr hier !

Lob

An dieser Stelle möchte ich die bundesweit anerkannte Kompetenz des Rudolf Virchow Klinikums (richtig Charité Campus Virchow- Klinikum) für Krebs im Verdauungstrakt und besonders dessen operative Entfernung erwähnen.

Vielen Dank an das Personal der Stationen 52 (Onkologie), Station 9 (Intensivüberwachung) und Station 13 (Chirugie). Allesamt machen Tag für Tag einen guten Job, trotz für jeden Patienten ersichtliche Belastung, besonders durch die dünne Pesonalbesetzung. Die für mich zuständigen Onkologen, Oberarzt Herr Dr. med. Thuß und die wissenschaftlichen Mitarbeiterinnen Frau Kunitz und Frau Dogan haben die gesamte Therapie geleitet und überwacht. Das Operationsteam der Chirugie um PD Dr. med. Guido Schumacher, ich war zwar anwesend aber..., hat gute Arbeit geleistet, so wie ich es von außen beurteilen kann.
- Vielen Dank -

Aussicht und Hoffnungen

Ich weiß nicht, was die nächsten Jahre bringen werden und schon gar nicht, wie viele es sein werden. Nur werde ich so weiterleben, so bewusst, wie ich es während der ersten Wochen meiner Krankheit mir vorgenommen habe. Jeden Tag genießen, mit alltäglichen und besonderen Dingen, wissend, dass jederzeit etwas Unvorhergesehenes passieren kann.

Der Krebs hat mich und mein Leben verändert - ein bisschen? - mehr? - oder sehr viel?
Auf seine Gesundheit muss man Rücksicht nehmen, aber diese Krankheit wird nicht wie ein Klotz an meinem Bein hängen und mein Tun einengen! Ich möchte Leben!

Diese Seite werde ich mit den aktuellen Ereignissen und Untersuchungsergebnissen füllen. Hoffentlich steht nach 5 Jahren am Ende der Einträge - GEHEILT -

Einen chronologischen Verlauf meiner Krankheit findet ihr hier !

 

Quelle: Deutsche Krebshilfe 2006, weitere Quellen siehe Glossar.

 
 
 
Mein Krebs Frank Kolbe Berlin 2007