Chronik 4
21. August - 11.September 2007
Die Operation - Ösophagektomie -

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07. und 08. August 2007

Staging  : partielle Tumorremission lokal bei keinem Nachweis einer Filiarisierung.

Die CT vom 07. August brachte das erhoffte Ergebnis. Keine Metastasen und eine Verdickung des Gewebes, wo der Tumor liegt - lag. Lymphknoten in direkter Nachbarschaft waren leicht vergrößert. Diese würden ohnehin bei de Operation entfernt werden. Leber, Lunge, Nieren, Milz... OK.

Die Magenspiegelung am 08. August zeigte ein ähnlich positives Bild. Die Stenose war weg, ich konnte ja auch seit 3 Monaten wieder nahezu normal essen. Der Tumor ist zurückgegangen und die Kardia leicht angegriffen. Der Magen und der Zwölffingerdarm sind ohne Befund. Chemotherapie und 45 Gy  Strahlendosis haben gute Erfolge erzielt.

Vorstellung zur Operation am 21. August - mein Termin auf der "Schlachtbank" rückt immer näher. Dies ist der Zeitpunkt, vor dem ich von Beginn an am meisten Angst hatte. Ich wurde noch nie zuvor richtig operiert. Und dann gleich so ein schwerer stundenlanger Eingriff.

21. August 2007

Ich fand mich auf der Station 19 ein. Dies ist die chirurgische Abteilung, die einen bundesweit hervorragenden Ruf bei Operationen an Speiseröhre und Magen hat. Lebertransplantationen sind ein weiteres Spezialgebiet.

Die Woche verbrachte ich mit einigen präoperativen Untersuchungen. Genau gesagt passierte nicht viel und vor allem ergab sich nichts Neues. Am Freitag durfte ich dann auch nach Hause. Galgenfrist bis Sonntag morgen.

26. August 2007

Sonntag, noch weniger als 20 Stunden bis zur OP. Ich hatte nur eine Aufgabe. Ab 14:00 Uhr 6 Liter eines ekligen Getränkes runter würgen, welches meinen Darm völlig entleeren sollte.

Es wirkte, ich verbrachte viel Zeit auf der Toilette. Mein Darm war leer. Abends Fernsehen, Gedanken zerstreuen. Gegen 1:00 Uhr nachts schlief ich ein.

27. August 2007
- Die Operation -

6:00 morgens, aufstehen und duschen. Wozu wurde ich gebeten? Bauchnabel gründlich säubern. Na gut, ich war 20 Minuten unter der Dusche und ich denke, ich war wirklich sauber.

Es konnte immer noch Entwarnung kommen, eine Notfalloperation der meinen vorgezogen werden. Nein, um 7:30 Uhr ging es zur Vorbereitung für die Operation. Ich wurde mit einem Venenzugang bestückt und nach kurzer Warnung schlafen gelegt.

Damit war ein wichtiger Schritt geschafft. Ich würde nicht miterleben wie mir weitere Zugänge in den Körper gelegt wurden und letztendlich eine 5 1/2 Stunden dauernde Operation folgte. Im gesamten muss man ja eher von zwei gleichzeitig stattfindenden Operationen reden. Eine im Bauchraum, die meinen Magen so umformt, das er direkt an den verbleibenden Rest der Speiseröhre (immerhin noch mehr als 30 cm) angenäht werden kann. Die andere durch einen Zugang unterhalb der rechten Achselhöhle in den Brustraum hinein, um einen Teil der Speiseröhre zu entfernen und den Magen mit dieser wieder zu verbinden. Dabei musste der rechte Lungenflügel zeitweise stillgelegt werden, das heißt er wurde entlüftet und zusammengefaltet. 5 Lymphknoten wurden ebenfalls entfernt. Nach der Operation wurden weitere Schläuche an mir platziert. So muss sich ein Borg fühlen.

"DIE MAGENSONDE LIEGT ZU HOCH" - Ich war wach. Wie schon bei vorangegangenen Narkosen sehr schnell. Ich weiß nicht, ob ich antwortete, "nehmt das Ding doch ganz raus". Mit irgendeinem glitschigen Zeug wurde dieser Schlauch weiter hinunter geschoben. Wozu? Am nächsten Tag war er das erste, was ich los werden würde.

Den Rest des Tages verbrachte ich schlummernd und schlafend.

28. August 2007

Klar kann man nicht ewig schlafen. Und dann all die Geräusche der Maschinen um einen herum. Schon früh kam Leben in die Bude. Schichtwechsel und die Physiotherapeutinnen kamen. Leicht Bewegungen, was aber doch etwas schwer viel. Und dann nochmal begutachten, was so alles an einem dranhing und sich verändert hatte.

Auf jeden Fall mussten heute schon ein paar Schläuche weg. Zuerst gleich morgens diese unsägliche Magensonde. Und später der Blasenkatheter, störend und da ich die "Ente" benutzen wollte auch überflüssig.

Mit reichlichen Gesprächen mit Ärzten und Pflegepersonal verging auch dieser Tag.

29. August 2007

Eigentlich wollte und sollte ich heute schon auf die Normalstation verlegt werden. Aber auf Grund der Schwere meiner Operation -> Lungenstilllegung wurde dies um einen Tag verschoben. Begründung: "Wir haben das Bett frei und hier werden Sie auch besser versorgt".

Meine Lunge wurde untersucht und weitere Schläuche entfernt. Übrig blieb nur noch einer der beiden Bülaudrainagen, Abflüsse für Flüssigkeit, die sich in der Lunge sammeln könnte.

Wieder viele Gespräche mit dem Personal, meine Bettnachbarin war kein Gesprächspartner. Erst machte ich mit einer Physiotherapeutin einen langen Spaziergang rund durch die Station. Anschließend unternahm ich allein derartige Exkursionen. Alle 2 Stunden machte ich mit einem kleinen Plastikgerät Übungen für meine Lunge. Und es machte sich Langeweile breit.

Es war Mittwoch, Fernsehtag. Und ich hier wieder Erwarten und meinem Plan. Also musste ich mir einen Fernseher organisieren. Es gab auf dieser Station nur einen einzigen, aber ich war auch der einzige Interessent. Welch Wunder auf einer Intensivstation.

Also abends Stargate und Galactica, schlafen und dann morgen früh in die Normalstation verlegt werden.

30. August 2007
Normalstation, sozusagen wieder im Leben zurück. Ich konnte mich mehr bewegen und mehr Unterhaltung gab es auch. Und jeden Tag ging alles besser. Bald werde ich auch wieder essen dürfen.
03. September 2007
Die Untersuchung der Verbindung zwischen Speiseröhre und Magen ergab keine Auffälligkeiten, dh. es gab keine Löcher, durch die Speise in den Bauchraum hätte fließen können. Ich wurde daraufhin wieder an feste Kost gewöhnt. Anders gesagt, ich durfte wieder essen.
11. September 2007
Ich wurde entlassen. Mein Zustand war gut, die Operationsnarben schmerzten noch etwas, ich konnte nur auf dem Rücken schlafen. Aber wieder zu Hause zu sein würde mir helfen, mich langsam auf die neue Lebenssituation einzustellen. Anders als nach Chemo- und Strahlentherapie hatte ich nun wirklich Probleme beim essen und bei der Verdauung. Dies würde noch über viele Monate anhalten, sich jedoch ständig verbessern.
 

 

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Mein Krebs Frank Kolbe Berlin 2007